
Wollte ich nur einmal gesagt haben.
Genau eine Woche bin ich nun wieder in Deutschland. Nachdem ich ganz stürmisch von unserem Hund begrüßt wurde, habe ich auch schon meine Koffer ausgepackt und alles erledigt, was zur Rückkehr dazu gehört. Die ersten Tage waren ziemlich schwer für mich. Ich hab eigentlich die meiste Zeit im Bett gelegen und geschlafen. Immer wenn ich aufgestanden bin, war mir kalt und elend. Nachdem mein Körper sich einigermaßen wieder an die andere Umgebung gewöhnt hat, brach auch schon der Alltag über mich hinein. Obwohl ich mir nicht sicher bin, ob ich die Zeit, die ich jetzt zuhause verbringe, wirklich als einen Alltag bezeichnen kann. Die Tage fallen so unspektakulär aus, dass ich sie eher als eine Übergangsphase empfinde.
Meine Langeweile habe ich mir anfangs noch mit Sockenstricken, Zeichnen und Lesen vertrieben. Ich versuche immer so wenig Zeit, wie möglich, am Handy oder Laptop zu verbringen. Jeden Tag versuche ich mit dem Hund eine große Runde zu drehen, was eine Herausforderung darstellt, da unser Hund unter Gassi-Phobie leidet. Natürlich laufe ich in voller Wintermontur. Auch wenn die Sonne scheint, ist es mir draußen meist doch noch zu kalt und ich bin froh, mir noch keine Erkältung eingefangen zu haben.
Seit Donnerstag bin ich ganz fleißig am Nähen. Denn meine Mutter arbeitet im Pflegedienst und die bekommen im Moment nicht die benötigten Mund- und Nasenmaskenmasken und meine Schwester braucht diese auch für die Praxis, in der sie arbeitet. Und dann braucht hier noch jemand welche und da noch jemand. Auf jeden Fall werden Omas alte Tischdecken und die Bettwäsche jetzt recycelt und finden eine neue Bestimmung. (Also falls jemand noch eine Beschäftigung sucht: Frag mal bei den Pflegediensten oder Praxen nach, ob sie Bedarf haben und fang an zu nähen…)
Am Freitag hatten wir auch ein erstes Gespräch im Plenum mit unserer Gruppe vom Freiwilligendienst. Doch so wirklich was bei herum gekommen ist da nicht, denn keiner weiß so genau, wie es jetzt weitergehen soll. Aber es war auf jeden Fall schön, die anderen zu sehen und im Anschluss via Skype noch ein bisschen über ihre Erlebnisse zu quatschen. Auch wenn es nur über den Bildschirm war. Es tut ganz gut, sich mit den Leuten auszutauschen, die das gleiche Schicksal getroffen haben. Und vielleicht war das der größte Zweck, den das Gespräch für mich erfüllt hat.
Wie gesagt, weiß ich bis jetzt noch nicht, wie es bei mir weitergehen soll. Doch wahrscheinlich suche ich mir, wenn die Lage sich beruhigt hat, einen Job bis zum Studium. Zurück nach Indien kann ich jedenfalls erst einmal nicht. So viel ist klar. Und dann stehen da noch die Bewerbungen für die Unis und Stipendien an…
Für mich ist es komisch, jetzt wieder zurück zu sein und keinen Besuch von meinen Freunden haben zu können. Obwohl ich mir auch noch nicht sicher bin, ob es vielleicht gerade gut für mich ist, erst einmal ganz allein zurück nach Deutschland kommen zu können. Wer weiß ob ich nicht beim Feiern einen Kulturschock erleiden würde oder mich selbst unpassend benehmen werde.
Außerdem fällt mir der Kontakt zu anderen im Moment noch recht schwer. Zumindest kostet es mich unglaubliche Kraft, die ganzen Whatsapp-Nachriten zu beantworten. Es fängt schon bei Fragen wie, warum ich denn jetzt schon nach Hause gekommen bin und ob das meine Entscheidung gewesen sei an. Dann kommen dazu Aussagen wie, dass ich in Deutschland so viel besser aufgehoben bin. Woher wisst ihr das und woher nehmt ihr euch das Recht, so etwas für mich zu entscheiden? Mich nerven die Ratschläge. Aber ich habe generell ein Problem damit, wenn Menschen mir „Ratschläge“ -sprich Sprüche, die bei ihnen im Kalender stehen- geben wollen. Meistens sind die doch nur gut für das Ego desjenigen, der sie gibt.
Ich fühle mich nicht verstanden und erstrecht hilft es mir nicht, wenn man mir sagt: „Die Situation ist zwar jetzt scheiße, aber daran kann man jetzt eh nichts mehr ändern. Das Leben muss weitergehen.“ Aber wenn das Leben einfach so weiter geht, wo ist dann Platz für die Trauer in mir?
Es macht mir ein schlechtes Gewissen, wenn man mich fragt: „Bist du denn gar nicht glücklich, deine Familie/Freunde zu sehen? Hast du die denn gar nicht vermisst?“ Doch natürlich bin ich froh, meine Lieben wiederzusehen. Aber wenn ich jetzt die Wahl zwischen dem Hier und dem Davor -also der Situation in Indien, in der alles noch gut war- habe, dann fällt mir die Entscheidung ziemlich leicht.
Ständig habe ich das Gefühl, dass die anderen jetzt auf Knopfdruck von mir verlangen, dass ich wieder fröhlich bin, dass ich wieder richtig funktioniere. Aber so einfach ist das für mich nicht und ich mache das auch nicht extra. Ich will mich ja auch nicht anstellen und gebe mein Bestes. Aber in den Momenten dazwischen lasst mich einfach noch ein bisschen traurig sein.
Aber vielleicht sind die falschen Nachtrichten nicht das Problem, sondern ich mache mir selbst den Druck, so schnell wie möglich wieder zu funktionieren und reagiere auf eure Nachrichten viel zu empfindlich.
Doch über die „herzlich Willkommen“ Bekundungen und alle anderen Nachrichten freue ich mich. Auch wenn ich meist viel zu spät antworte. Aber ich war noch nie gut im „Pünktlich Antworten“.
Eigentlich ist ja auch alles schön hier und ich dürfte mich auch nicht beschweren. Aber so richtig zufrieden bin ich halt auch nicht. Ich frage mich, ob ich etwas dafür tun muss oder ob das Glück ganz allein zu mir zurückkommt.
